Montag 6. September 2010
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LED in der Strassenbeleuchtung: Der Schweiz geht ein neues Licht auf

An der LED-Fachtagung in Zürich wurde das Thema LED eifrig diskutiert: Mehrere Experten stellen die neusten Produkte vor. Weitere Tagungen werden auf www.energiestadt.ch ausgeschrieben.

von Angel Sanchez

Hellere Strassen, weniger Stromverbrauch, sauberes Gewissen: Immer mehr Gemeinden prüfen, ob sie ihre Strassen mit neuen LED-Lampen beleuchten wollen. Sicher ist: Der LED-Technik gehört die Zukunft – aber noch nicht die Gegenwart. Wer aber seine Beleuchtung auf dem Gemeindegebiet optimieren will, muss mehr tun, als bloss die neusten Lampen kaufen.

Die Energiestadt Igis (GR) geht aufs Ganze: Als erste Gemeinde der Schweiz will sie die gesamte Strassenbeleuchtung auf Licht emittierende Dioden (LED) umstellen. So weit ging bisher kein anderer Ort. Der Pioniergeist der Energiestadt dürfte sich lohnen: Die LED stehen kurz vor dem Durchbruch, sagen Experten unisono.

Das dachte man sich auch in Igis. Die örtliche Strassenbeleuchtung ist über 30 Jahre alt. 90 Prozent der Leuchtmittel sind veraltete Quecksilberlampen. «Unsere Strassenbeleuchtung ist hochgradig sanierungsbedürftig – wir müssen auf jeden Fall handeln», sagt Gemeinderat Andreas Thöny. Warum also nicht gleich auf die neuste Technologie setzen?

Igis steht bei weitem nicht alleine da. Landauf, landab wird die Strasse zum Versuchslabor. LED-Lampen schiessen wie Pilze aus dem Boden. Zwar werden vorerst meist einzelne Strassenabschnitte umgerüstet, doch der Trend ist unverkennbar. «Der LED-Technologie gehört die Zukunft», bestätigt Giuse Togni von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. In vier bis fünf Jahren dürften die LED-Produkte die heute noch als beste Leuchtmittel geltenden Natriumhochrucklampen punkto Lebensdauer, Stromverbrauch und Lichtausbeute klar überflügeln.

Unseriöse Anbieter, aggressive Werbung

Heute schon tummeln sich viele Anbieter auf dem wachsenden LED-Markt. Um sich früh einen Teil vom Kuchen zu sichern, treten sie bei den Gemeinden teilweise sehr aggressiv auf, weiss Giuse Togni: «Es fällt auf, dass es auch viele unseriöse Anbieter gibt, die mit unrealistischen Versprechen ihre LED-Lampen anpreisen.» Unrealistisch heisst: Die Lebensdauer und die Lichtausbeute werden zu hoch angesetzt. Denn was eine Lampe unter Laborbedingungen leisten kann, lässt sich nicht einfach so auf die von Wind und Wetter beeinflusste Anwendung im Aussenbereich übertragen.

Auch sonst ist die Branche momentan alles andere als einfach zu überblicken. Wer sich über LED-Strassen informiert, steht einer Flut von Modellen, Ausstattungen und Formen gegenüber. Guter Rat ist da teuer.

Schon der erste Schritt ist entscheidend: Togni empfiehlt, beim Anbieter immer zuerst die sogenannte elektronische Leistungsverteilungskurven (LVK) der Lampen zu bestellen (siehe Kasten). «Wer diese Kurven vorweisen kann, gehört tendenziell zu den seriöseren Anbietern.» Die LVK zeigen, wie das Licht einer bestimmten Lampe tatsächlich auf die Strasse abgebildet wird. Weiter sollte die Gemeinde abklären, ob ihre Wunschlampe modular aufgebaut ist, oder ob bei einem Defekt gleich die ganze Leuchte ausgewechselt werden muss. Wer mit diesen aufwändigen Abklärungen beginnt, steht aber erst am Anfang.

Ein Sprung, wie von der LP zur CD

«Ich arbeite seit 25 Jahren im Licht-Bereich. 13 Jahre bin ich in der Strassenbeleuchtung tätig – und ich bin immer noch am dazulernen», sagt Jörg Imfeld. Der Elektroningenieur ist Projektleiter bei der Firma Elektron. Technisch stehe ein Sprung bevor, wie von «der Langspielplatte zur CD». Imfeld warnt vor Schnellschüssen. Im gegenwärtigen LED-Boom dürfte man nicht leichtfertig den Versprechen verschiedener Produzenten vertrauen. Fundierte Abklärungen seien unabdingbar.

«Bei der Lichtausbeute etwa darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen», sagte der Fachmann kürzlich an einer Tagung zum Thema LED in Zürich. Strassenleuchten mit hochwertiger Optik, bestückt mit einer besten Natriumdampf- oder Metalldampfhalogen-Hochrucklampe in der Klarglas-Version, betrieben mit einem elektronischen Vorschaltgerät sind gemäss den Ingenieuren der Firma Elektron noch immer effizienter als jede LED-Leuchte (Stand 2009). Aber schon im nächsten Frühling könnten die Karten neu gemischt werden. Denn dann findet in Frankfurt die einflussreiche Messe Light + Building statt. Die EU-Richtlinie, die das Ende der herkömmlichen Glühbirne bis 2015 besiegelt, verleitet Designern und Techniker zusätzlich dazu, den LED-Bereich zu fördern.

Sparen geht auch ohne LED

Doch genug Zukunftsmusik, was zählt, ist der Blick auf die Gegenwart. In vielen Gemeinden und Kantonsparlamenten werden zurzeit Vorlagen lanciert, die zum Ziel haben, die Strassenbeleuchtung effizienter zu machen. Wie eine Untersuchung von S.A.F.E. kürzlich ergeben hat, kann der Stromverbrauch für die Strassenbeleuchtung tatsächlich massiv reduziert werden. Gemäss dieser Studie werden heute in der Schweiz 1000 GWh Strom benötigt, um Strassen, Wege und Plätze zu beleuchten. Der Verbrauch könnte um 30 bis 50 Prozent gesenkt werden ohne Einbussen an Sicherheit und Komfort. Das Sparpotenzial ist riesig – auch ohne LED-Lampen einzusetzen.

Jede Gemeinde, die heute noch Glühbirnen oder Quecksilberdampflamen grossflächig einsetzt, wirft buchstäblich Geld auf die Strasse. Zudem ist es in der Ostund der Zentralschweiz üblich, dass die Strassenbeleuchtung in der Nacht reduziert oder sogar ganz ausgeschaltet wird. Brennt beispielsweise zwischen 1 Uhr und 5 Uhr kein Licht, können rund 35 Prozent Energie gespart werden. Wird das Licht in der gleichen Zeitspanne lediglich gedimmt, so lassen sich noch über 10 Prozent einsparen. Mehr Tipps dazu gibt es auf www. energiestadt.ch (Rubrik Kampagnen & Aktionen, Thema Strassenbeleuchtung).

Auch bei LED gilt: klein anfangen!

Stehen in einer Gemeinde Sanierungen in der Strassenbeleuchtung an, lohnt es sich, die LED-Lampen als Option mit einzubeziehen. Gute LED-Lösungen gibt es bereits für kleine Fuss- und Radwege, Quartierstrassen oder Parks. Jörg Imfeld: «Sinnvoll ist, vorerst mit einer überblickbaren, kleineren Anlage zu beginnen mit Leuchten auf Lichtpunkthöhen von 3 bis 5 Metern.»

Die Energiestadt Altdorf hat genau das gemacht. Im Oktober hat sie in einer kurzen Gemeindestrasse die ersten LED-Lampen montieren lassen. Bezüglich Neu-Installation hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen, da nur die Lampenköpfe nicht aber die Kandelaber ausgewechselt wurden. Peter Cathry, Bereichsleiter Bau, Verkehr und Umwelt der Gemeinde Altdorf ist mit den bisherigen Resultaten zufrieden. Nach derzeitigen Wissenstand würden die LED-Lampen im vergleich zu den vorherigen Natriumhochdrucklampen rund 39 Prozent weniger Strom brauchen. Cathry sieht noch mehr Vorteile: «Die Lichtverschmutzung ist kleiner, und die Lampen lassen sich stufenlos dimmen.» Ab Mitternacht werden die Lichter auf 50 Prozent runtergeschaltet. Die bisherigen Reaktionen aus der Bevölkerung sind gemäss Cathry positiv: «Fussgänger schätzen das neue Licht, da die Sichtverhältnisse als besser eingestuft werden.» Die Energiestadt Altdorf wird die ersten Erfahrungen weiter auswerten und allenfalls Schrittweise weitere LED-Anlagen bauen.

Beim Pilotprojekt der Energiestadt Altdorf haben übrigens das örtliche Elektrizitätswerk sowie die Herstellerfirma die Hälfte der Kosten für den LED-Test übernommen. Auch die Energiestadt Igis konnte von einem Ähnlichen Entgegenkommen profitieren.

Langzeiterfahrungen werden erst gerade erhoben

Natürlich investieren die LED-Firmen und die Elektrizitätswerke nicht aus blosser Güte in solche Pilotprojekte. Ziel ist es, sich möglichst früh in der LED-Branche einen Namen zu schaffen. LED sind heute was die Investition betrifft, noch relativ teuer. Im Vergleich zu einer gängigen Natrium-Hochdrucklampe kostet die neue Technik beinahe doppelt so viel. Die offenbar viel längere Lebensdauer soll die zusätzlichen Kosten wieder einsparen. Aber noch fehlen heute zuverlässige Langzeiterfahrungen. Zudem gilt: Was in der Gemeinde A Erfolgt hat, muss nicht unbedingt für die Gemeinde B auch richtig sein. Eine individuelle Abklärung der spezifischen Bedürfnisse punkto Strassenbeleuchtung ist eine komplexe Aufgabe, die nicht alleine mit dem Kauf einer modernen Lampe gelöst werden kann.

Checkliste für Gemeinden

Wer sich für LED-Strassenbeleuchtungen interessiert, muss von möglichen Lieferanten zwingend diese Informationen und Unterlagen verlangen:
• Lichtverteilkurve (LVK) in elektronischer Form
• Datenblatt zur Leuchte mit: elektrischer Leistung, Lichtausbeute, Lichtfarbe, Lebensdauer, Schaltbarkeit und Regulierbarkeit der Anlage, Montageanleitung sowie Messzertifikat
• Klar definierte Garantiezeit
• Können einzelne Teile der Leuchte ausgewechselt werden, d.h. ist sie modular aufgebaut?
• Wie lange wird die Lieferung von Ersatzteilen garantiert? (mindestens 10 Jahre)
• Welche Referenzen kann der Lieferant vorweisen?

Empfohlen wird, dass anfangs nur einzelne Strassen auf LED-Beleuchtung umgestellt werden. Wichtig ist weiter, dass sich Bauherren bei der Wahl der Leutchen durch eine unabhängige Fachperson beraten lassen. Die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz hat zusammen mit dem Programm Energiestadt eine nach Regionen aufgeteilte Liste von Beratern für Strassenbeleuchtungen publiziert: www.energieeffizienz.ch/files/SB_AdresseBerater_d.pdf

Was heisst LED ?

LED ist die Abkürzung für licht-emittierende Diode, auch Leuchtdiode genannt. Eine Leuchtdiode ist ein elektronisches Halbleiter-Bauelement. Sobald Strom durch die Diode fliesst, wird Licht abgegeben. Eine LED-Lampe besteht aus einer Vielzahl einzelner Leuchtdioden, die sich stufenlos zwischen 0 und 100 Prozent dimmen lassen. Das besondere bei LED ist die Lichtfarbe. Im vergleich zu Glühlampen wirkt LED blauer und somit wesentlich kühler. Die Lebensdauer bei der Strassenbeleuchtung wird heute auf rund 50’000 Stunden geschätzt.

 

LED in der Strassenbeleuchtung

Interview mit Jörg Imfeld, Projektleiter Lichttechnik, ELEKTRON AG

Fachliteratur zum Thema

"Entwicklung einer Strategie zur Durchsetzung von Leuchtdioden in der Verkehrssignaltechnik in Deutschland"

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