Donnerstag 11. März 2010
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Bildungssystem Schweiz

von Lucia Uebersax

Die Bildung ist eine wichtige Investition für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. Es ist deshalb wichtig, dass sich alle Beteiligten frühzeitig mit den Anforderungen an das zukünftige Bildungssystem auseinandersetzen. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Debatte «Zukunft Bildung Schweiz», zu der die Akademien der Wissenschaften in Biel eingeladen haben, weitgehend einig. Deutliche unterschiedliche Auffassungen bestanden jedoch puncto Darstellung und der zukünftigen Bedeutung der dualen und höheren Berufsbildung.

Das Schweizer Bildungssystem steht vor grossen Herausforderungen. Entwicklungen in Ökonomie, Kommunikationstechnologie, Umwelt und Wissenschaft verändern das soziale, kulturelle und politische Leben nachhaltig. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz erachten Bildung als die wichtigste strategische Investition. Von ihr hängt ab, ob die Menschen in der Lage sind, diese Veränderungen zum individuellen und kollektiven Wohlergehen zu nutzen, und ob sich die Werte und Entwicklungen der Gesellschaft erfolgreich behaupten können. Vor diesem Hintergrund haben die Akademien ein Weissbuch zu den zukünf tigen Anforderungen an das Bildungssystem herausgegeben. Das Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz» entwirft, wie das Bildungsverständnis im Jahr 2030 aussehen könnte, schlägt konkrete Massnahmen vor und zeigt notwendige Umsetzungsschritte in einer Road Map auf.

«Selten zuvor hat eine Vision einen derartigen Wirbel in der Bildungslandschaft ausgelöst»

Als anfangs September 2009 das Weissbuch vorgestellt wurde, löste dies eine heftige Reaktion aus. Kritische Stimmen wurden laut. Das Thema wurde in den Medien ausführlich besprochen, unter anderem im Zusammenhang mit der vermeintlichen Aussage eines Mitautors, das Berufsbildungssystem sei ein Auslaufmodell. Selten zuvor hat eine Vision einen derartigen Wirbel in der Bildungslandschaft ausgelöst. Es begann eine intensiv verfolgte Diskussion.

Am 24. September 2009 haben die Akademien der Wissenschaften zu einer öffentlichen Debatte zum Thema «Zukunft Bildung Schweiz» eingeladen. Rund 200 Bildungsexperten und Bildungsinteressierte haben in Biel die Anforderungen an das zukünftige Bildungssystem der Schweiz intensiv diskutiert. Die Grundlage dazu bildete das Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz», das die Akademien der Wissenschaften Schweiz kürzlich veröffentlicht haben. Viele der wichtigen Akteure hatten Gelegenheit, sich öffentlich zum Weissbuch zu äussern. Für die Behörden taten dies Mauro Dell’Ambrogio (SBF, Staatssekretariat für Bildung und Forschung), Ursula Renold (BBT, Bundesamt für Berufsbildung und Technologie) und Heinz Rhyn (EDK, Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren). Aus dem Bereich Ausbildung nahmen Richard Bührer (FHNW, Fachhochschule Nordwestschweiz), Willi Stadelmann (COHEP, Schweizerische Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschulen) und Beat Zemp (LCH, Lehrerinnen und Lehrer Schweiz) Stellung und aus der Wirtschaft Bruno Weber (TravailSuisse), Peter Sigerist (SBG, Schweizerischer Gewerkschaftsbund) und Hans-Ulrich Bigler (sgv., Schweizerischer Gewerbeverband). Nach einem Impulsreferat von Prof. Dr. Ernst Buschor, Co-Präsident Forum Bildung, konnten sich zudem alle Anwesenden in die Debatte einschalten und mit den Autoren des Weissbuchs diskutieren.

Diskussionspunkt höhere Bildungsabschlüsse

Die Berichterstattung in den Medien hatte im Vorfeld den Eindruck erweckt, das Weissbuch fordere die Abschaffung des dualen Bildungssystems und eine Maturitätsquote von 70%. Heftige Kritik wurde ausgeübt. Dem ist jedoch nicht so. Das Weissbuch stellt das duale Bildungssystem nicht grundsätzlich in Fragen; es fordert vielmehr eine Überprüfung, insbesondere im Hinblick auf die geforderten Schlüssel- und Bildungskompetenzen. Das Weissbuch spricht zudem von 70% Tertiärabschlüssen. Diese beinhalten gemäss Bundesamt für Statistik Abschlüsse an Hochschulen, Fachhochschulen und höheren Fachschulen sowie höhere Berufsprüfungen. Bereits heute erwerben 50–60% eines Jahrgangs einen solchen Tertiärabschluss.

«Die Teilnehmenden konnten sich am Schluss der Debatte darauf einigen, dass das Weissbuch trotz gewissen Mängeln den Start für die Diskussion über langfristige Bildungsziele darstelle»

In einigen Stellungnahmen wird kritisiert, dass die Berufsbildung im Weissbuch zu kurz komme. Viele Teilnehmenden der Debatte waren zudem der Meinung, dass das duale Bildungssystem eine Stärke des Schweizer Systems sei und im Ausland oft als Vorzeigemodel diene. Die Teilnehmenden konnten sich am Schluss der Debatte darauf einigen, dass das Weissbuch trotz gewissen Mängeln den Start für die Diskussion über langfristige Bildungsziele darstelle. Diese Diskussion soll breit abgestützt mit allen Anspruchsgruppen erfolgen. Die Akademien der Wissenschaften werden sich für die Weiterführung des Projektes einsetzen.

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Dr. Ursula Renold

Interview mit Dr. Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT

Walther Ch. Zimmerli

Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Walther Ch. Zimmerli, Leiter der akademienübergreifenden Arbeitsgruppe und des Redaktionskomitees sowie Mitautor des Weissbuchs «Zukunft Bildung Schweiz»

Bildungssystem Schweiz

Politiker Statements zum Thema "Schweizer Bildungssystem"

Fachliteratur zu diesem Thema

"Bildungsarbeit der Zukunft"

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