Mitarbeiterschulung
SKR: Viele Anwender fürchten sich vor der Umgewöhnung an das neue OSS-System. Wieviel komplizierter ist eine Umstellung auf ein Betriebssystem wie Ubuntu im Gegensatz zu einer Umstellung auf Windows Vista oder Windows 7 für einen Nutzer von Windows XP?
Matthias Stürmer: Ich will nicht verheimlichen, dass die Umstellung spürbar ist. Denn ein Wechsel zu Linux bedeutet auch die Umstellung auf neue Applikationen, weil die herkömmlichen MS Office oder Photoshop auf dem Linux-Betriebssystem nicht laufen. Am schmerzlosesten ist die Umstellung, wenn aus ihr kein «Big Bang» gemacht, sondern sie schrittweise vollzogen wird. So kann man zum Beispiel zuerst ein OpenOffice.org einführen und Fachapplikationen ins Web oder auf eine plattformunabhängige Java-Umgebung migrieren.
Aus aktuellem Zusammenhang möchte ich die Windows-Vista-Migration des Bundes aufgreifen. Microsoft-Vertreter, der Bund und manche andere behaupten, dass ein Wechsel auf Linux unmöglich sei, weil er Verzögerungen und Mehrkosten verursachen und die Leute verärgern würde. Gerade vor einem Monat beschloss der Bundesrat jedoch aufgrund von Verzögerungen der Windows-Vista-Migration, zusätzlich Windows 7 einzuführen. Da wurde gezeigt, dass auch bei einer Migration von Windows zu Windows mit Zeitverzögerungen zu rechnen ist, Mehrkosten entstehen, die Leute verärgert werden und Anwender neue Applikationen erlernen müssen. Damit wurde für mich der Gegenbeweis für das Kontra-Linux-Argument geliefert.
SKR: Wieviel grösser schätzen Sie den Schulungsaufwand ein, wenn man von Windows XP statt auf Windows Vista bzw. Windows 7 auf eine OpenSource Variante wechseln würde?
Peter Fischer: Die Informatikmitarbeitenden in Betrieb und Support hätten einen enorm hohen Schulungsbedarf, müssten sie doch eine vollständig neue Umgebung erlernen und unterstützen. Um wieder auf dem notwendigen Niveau zu sein, sind einige Monate Schulung, Einarbeitung und Betriebserfahrung nötig. Gegebenenfalls wären sie durch neue Fachkräfte zu ersetzen oder externe Expertise müsste zugekauft werden. Auch der Aufwand für die Umgewöhnung der zehntausenden von Mitarbeitenden der Bundesverwaltung auf völlig neue Umgebungen bei Software-Migrationen darf nicht unterschätzt werden. Je grösser der Unterschied in der Wahrnehmung des Endbenutzers, desto grösser der Widerstand und der Aufwand für die Schulung. Da die Informatik für die Nutzenden und nicht umgekehrt da ist, ist diesem Aspekt das nötige Gewicht beizumessen. Aber mindestens schlägt der Aufwand für die Migration der Einbettung der Fachanwendungen z.B. in die Büroautomation zu Buche. Hier haben wir es in der Bundesverwaltung mit tausenden von Anwendungen zu tun. Das ergibt eine enorme Komplexität mit den entsprechenden Kosten und Risiken. Das ist ein entscheidender Faktor für die Wahl der Software.
SKR: Wie schwierig schätzen Sie die Umstellung von einer älteren Windowsversion auf eine neue wie Windows Vista oder Windows 7 ein? Wie gross schätzen Sie den Schulungsaufwand für eine Verwaltung ein?
Thomas Reitze: Eine Plattformmigration sollte in jedem Fall sorgfältig geplant werden. Für die technische Umsetzung stellt Microsoft den IT-Spezialisten eine Reihe an Hilfsmittel zur Verfügung, welche die einzelne Schritte vereinfachen und automatisieren. Windows 7 besticht durch eine neue, intuitiv zu bedienende Oberfläche, ein aufgeräumtes Design und intelligente Hilfestellungen, wodurch Anwender einfacher und schneller ihre Aufgaben mit dem PC erledigen können.
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