Digitale Nachhaltigkeit
SKR: Wie beeinflusst das Konzept der «digitalen Nachhaltigkeit» die Weiterentwicklung von Open Source Software?
Matthias Stürmer: Wenn etwas nachhaltig verwendet wird, bleibt es langfristig regenerierbar, sodass unsere Nachfahren von demselben Gut profitieren können wie wir. Auf Software angewendet bedeutet Nachhaltigkeit Folgendes: Wenn ich mich heute für eine proprietäre Software entscheide und Millionen von Franken in die Weiterentwicklung und in die Ausbildung von Arbeitskräften investiere, dann werde ich in zehn Jahren völlig abhängig von der proprietären Plattform sein. Dann habe ich meinen Nachkommen einen sehr engen Handlungsspielraum geschaffen: Sie müssen sich entweder auf diesem Pfad weiterbewegen oder sich mit riesigem Kostenaufwand eine komplett neue Lösung schaffen. Habe ich hingegen eine Plattform mit offenen Schnittsstellen und offener Software, besitze ich Freiheitsgrade, die mir Optionen ermöglichen. Hier kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel.
Den Begriff der «digitalen Nachhaltigkeit» gibt es noch nicht lange. Open Source ist älter und noch viel älter ist das Konzept der freien Software. Daher ist es eher so, dass die erfolgreiche Entwicklung der Open Source Community das Konzept der digitalen Nachhaltigkeit beeinflusst hat. Wie gut die Entwicklung von OSS funktioniert, bewies der Linux Kernel, der sich innert 20 Jahren aus einem Studentenprojekt zum vermutlich grössten Softwareentwicklungsprojekt der Welt entwickelt hat.
SKR: Was für einen Einfluss hat das Thema digitale Nachhaltigkeit auf die Informatikstrategie des Bundes?
Peter Fischer: Der Einsatz von Informatik- und Telekommunikationstechnik (IKT) in der Bundesverwaltung verfolgt die Ziele der Effektivität (wirksame Unterstützung der Geschäftsprozesse), der Wirtschaftlichkeit, der Sicherheit, Flexibilität und Interoperabilität und berücksichtigt die bekannten Grundsätze der Nachhaltigkeit. Der Bund setzt dabei auf Lösungen mit offener oder solche mit proprietärer Software, je nachdem, welche im konkreten Fall den Bedürfnissen der Geschäftsprozesse und diesen Zielen am besten entspricht. Beide Modelle haben ihre Berechtigung und sollen grundsätzlich gleiche Chancen haben.
SKR: Was für einen Einfluss hat das Thema digitale Nachhaltigkeit heute und in Zukunft für Ihre Firma?
Thomas Reitze: Wenn in der heutigen ICT-Branche überhaupt etwas verallgemeinert werden kann, dann die Tatsache, dass Änderungen immer schneller passieren. Microsoft setzt zukunftssichere Technologien gezielt ein, zum Beispiel im Bereich Dokumentformate mit der breiten Unterstützung von offenen Standards wie Office Open XML. Somit kann sichergestellt werden, dass mit Microsoft Office erstellte Dokumente auch in Zukunft lesbar sind und weiterbearbeitet werden können. Die Microsoft Plattform bietet langfristige Planungssicherheit durch die klare und weit in die Zukunft bekannte Roadmap unserer Produkte. Seit über 20 Jahren bekennt sich Microsoft klar zum Wissensstandort Schweiz. So werden wichtige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im eigenen Development Center in Zürich geleistet. Weiter besteht im Rahmen des langjährigen Forschungsprogramms «Innovation Cluster for Embedded Software » (ICES) eine enge Zusammenarbeit mit den Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Auf der Basis der Technologie von Microsoft bieten über 7‘000 Schweizer Partnerunternehmen eigene Produkte, Softwarelösungen und Services an. Durch diese enge Zusammenarbeit leistet Microsoft einen wichtigen Beitrag zur Schweizer Wirtschaft.


