Montag 8. September 2008
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Energiestädte

150 Energiestädte machen Klimapolitik - Ein Gewinn für jede Gemeinde

Cornelia Brandes, Präsidentin des Trägervereins Energiestadt, wirbt für das erfolgreiche Programm

von Angel Sanchez

Was tun die Schweizer Gemeinden für ein gesundes Klima? Viel, sofern sie das Label Energiestadt tragen. Sie schonen die Umwelt und steigern zugleich die Lebensqualität. Heute lebt bereits ein Drittel der Schweizer Bevölkerung in einer Energiestadt. Tendenz steigend.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Auch in der Kommunalpolitik gehören ökologische Anliegen zum täglichen Geschäft. Doch wo kann eine Gemeinde effektiv handeln? Gute Erfahrungen machen über 150 Dörfer und Städte mit dem Programm Energiestadt. Sie fördern erneuerbare Energien, verringern den CO2-Ausstoss und den Verbrauch von Erdöl.

Energiestadt ist Energiepolitik von unten. Bundesrat Moritz Leuenberger bringt es auf den Punkt: «Während sich Politiker immer noch uneinig sind, wie die Energieeffizienz erhöht, die erneuerbaren Energien gefördert und die Klimaziele erreicht werden könnten, haben andere schon lange entschlossen gehandelt, zum Beispiel die Energiestädte.» Das schreibt der Energieminister zum 20-Jahr-Jubiläum des Qualitätslabels, das heuer gefeiert wird.

Seit mit Schaffhausen die erste Energiestadt überhaupt ausgezeichnet wurde, hat sich das Programm stetig entwickelt. Die Resultate bringen der Umwelt klaren Nutzen: Gemeinsam reduzieren die über 150 Energiestädte jährlich den CO2-Ausstoss um 78‘000 Tonnen, den Verbrauch von Brenn- und Treibstoffen um 30 Millionen Liter und den Stromverbrauch um 72 Millionen Kilowattstunden (das entspricht dem Bedarf einer mittelgrossen Stadt). Das macht das Label Energiestadt zu einem erfolgreichen Instrument des Bundesprogramms EnergieSchweiz. Hinzu kommt, dass mit der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils jährlich 200 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Programm wirkt und zieht immer mehr Gemeinden an. Heute lebt bereits jeder dritte Schweizer in einer Energiestadt. Und es werden immer mehr.

Die Gemeinden entscheiden

Energiestadt ist keine Frage der Grösse. Ob ländlich geprägtes Dorf oder pulsierende Stadt: Jede Gemeinde kann den Energieverbrauch massiv verringern, ohne auf Komfort zu verzichten. Und wer Strom spart, tut nicht nur etwas für die Umwelt sondern schont auch das Budget der Gemeinde. Mit welchen Massnahmen dies erreicht wird, entscheiden die Gemeinden selber. Denn sie kennen die Verhältnisse vor Ort am besten. So ist garantiert, dass dort gehandelt wird, wo die Wirkung am grössten ist.

Was das Programm Energiestadt unter anderem bietet, ist eine professionelle Betreuung durch ausgebildete und erfahrene
BeraterInnen. Gemeinden, die mit Hilfe der akkreditieren Energiestadt-BeraterInnen beispielsweise den Energiehaushalt der kommunalen Gebäude untersuchen, sparen nach kleinen Eingriffen jährlich Tausende von Franken an Energiekosten. Gemeinsam bearbeiten sie die sechs relevanten Felder Entwicklungsplanung, Kommunale Gebäude, Mobilität, Entsorgung und Versorgung, Interne Organisation Kommunikation. Mit Hilfe des standardisierten Katalogs von Energiestadt wird ein individuelles Programm zusammengestellt. Erfüllt die Gemeinde mindestens 50 Prozent der Massnahmen, bekommt sie das Label Energiestadt zugesprochen. Erreicht die Energiestadt sogar 75 Prozent, erhält sie das Label Energiestadt GOLD – dies ist die höchste Auszeichnung in Europa. Wer das Gold-Label trägt, spielt in der Champions League.

«Energiestädte zeigen, dass sie Verantwortung für die künftigen Generationen übernehmen», sagt Kurt Egger, der das Programm Energiestadt leitet. Dabei bestimmen die Energiestädte das Tempo. «Wir bieten einen Rahmen und Hilfsmittel, welche die Gemeinden nutzen können – aber natürlich wollen wir, dass sich die Energiestädte laufend verbessern.  Partnerschaft und Feiwilligkeit sind für uns wichtige Motivationsfaktoren», so Egger weiter. Das mache das Programm effizient: Es werde nur umgesetzt, was Nutzen bringe und akzeptiert sei. Egger: «Energiestädte produzieren keine abstrakte Konzepte, sondern sind nahe bei den Leuten.»

2000-Watt-Gesellschaft ist keine Utopie

Bei der Umsetzung der Massnahmen zeigen die Gemeinden, was sie alles auf die Beine stellen können. Die Gemeinde Planken (FL) beispielsweise setzt auf die Sonne. In der kleinsten Energiestadt überhaupt ist pro Kopf der Bevölkerung bereits ein Quadratmeter Sonnenkollektorfläche installiert. Das ist 20-mal mehr als im schweizerischen Durchschnitt und erfüllt die Vision 2020 von Swissolar. Erreicht hat Planken dies hauptsächlich dank eines ausgeklügelten Förderprogramms. Die Bevölkerung und die Gemeinde profitieren doppelt: Die Abhängigkeit von externen Stromlieferanten sinkt und die Einwohnerinnen und Einwohner bekommen umweltfreundliche Energie zu einem fairen Preis.

Dass solche Aktionen nicht nur im kleinen Rahmen funktionieren, zeigt die Energiestadt Zürich. Die Stadt trägt mit dem Label eea GOLD die höchste Energiestadt-Auszeichnung und lebt vor, dass die viel zitierte 2000-Watt-Gesellschaft kein Traum von grünen Utopisten ist. Das derzeit wohl ehrgeizigste Projekt ist der Umund Neubau des Triemlispitals, der nach Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft erfolgt. Bei der Energieversorgung werden neue Wege beschritten: Mittels einer Tiefenbohrung auf rund 3000 Meter soll heisses Thermalwasser erschlossen werden. Im Erfolgsfall kann damit der grösste Teil des Wärmebedarfs des Spitals und zahlreicher umliegender Wohnungen mit erneuerbarer und CO2-freier Energie gedeckt
werden.

Schweizer Idee für Europa

Die Liste der innovativen Energiespar-Projekte in den 150 Schweizer Energiestädten liesse sich beliebig fortsetzen. Ob bei der Mobilität, beim Heizen ohne Öl oder dem Einsatz erneuerbarer Energien: «Gemeinden, die die das Energiestadt-Programm konsequent nutzen, erfüllen heute schon das Kyoto-Protokoll», sagt Kurt Egger. Man sei auf dem besten Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft. «Dieses Ziel werden wir nicht heute oder morgen erreichen. Wichtig aber ist, dass bereits heute die Weichen gestellt werden», sagt der Energiefachmann Egger.

Das hat man auch jenseits der Schweizer Grenzen gemerkt: Das Erfolgsprodukt Energiestadt ist zum Exportschlager geworden. Der European Energy Award (eea) basiert auf dem Label Energiestadt und wird europaweit in zehn Ländern an Städte verliehen, die sich für eine nachhaltige Energie- und Klimapolitik einsetzen. Im Dezember 2007 hat Frankreich das Programm übernommen und bereits die ersten Gemeinden zertifiziert. Das Netz der Energiestädte wächst also stetig weiter. Was zählt, ist das Engagement der Gemeinden: Sie machen Energiestadt zu einem bunten Programm, das innovative Projekte mit wachsender Wirkung für Klima, Volkswirtschaft und Lebensqualität in die Tat umsetzt.

Spreitenbach ist die 150. Energiestadt - "Wir setzen ein klares Bekenntnis
"Josef Bütler, Gemeinderat von Spreitenbach, sagt, warum es sich lohnt, eine nachhaltige kommunale Energiepolitik voranzutreiben.

Hat Spreitenbach als 150. Energiestadt etwas Besonderes geleistet?
Bütler: «Das Besondere ist, dass Spreitenbach, das für viele einfach eine Agglomerationsgemeinde ist, das Label Energiestadt bekommen hat. Gerade wegen diesem Image wollen wir als Vorbild wirken. Wir sind überzeugt, dass auch Wirtschaft und Bevölkerung unserem Beispiel folgen werden und sich ernsthaft mit dem Thema Energieressourcen befassen.»

Spreitenbach verbinden viele mit IKEA, Industrie und Verkehr. Wie passt das Label Energiestadt in dieses Bild?
Bütler: «Spreitenbach wird als Stadt der Einkaufszentren, Hochhäuser und multikulturellen Bevölkerung wahrgenommen. Das Label hilft mit, dass wir gegen  aussen als moderne Gemeinde auftreten können. Wir zeigen, dass wir bewusst mit unseren Ressourcen und der Energie umgehen. Das ist ein klares Bekenntnis für eine nachhaltige Zukunft.»

Wie hat «Energiestadt» die Gemeinde Spreitenbach vorangebracht?
Bütler: «Wir sind ja eine ganz neue Energiestadt. Unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger setzen sich schon mit konkreten Projekten auseinander. Zudem wissen wir jetzt, dass wir die Renovationen und Umbauten an den gemeindeeigenen Liegenschaften nicht alleine für den Werterhalt gemacht haben, sondern die erhofften Energieeinsparungen erreicht oder übertroffen haben.»

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Energiestadt Label

Das Label Energiestadt ist eine Auszeichnung des Bundesamtes für Energie und des Trägervereins Energiestadt. Das Gütesiegel Energiestadt ist ein Leistungsausweis für eine ergebnisorientierte Energiepolitik und bietet den Trägern einen Standortvorteil im Wirtschaftswettbewerb. Bis Mitte 2008 werden über 150 Schweizer Gemeinden mit insgesamt 2,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ausgezeichnet worden sein. Heuer feiern die Energiestädte das 20-Jahr-Jubiläum. Am 23. Oktober wird in Fribourg anlässlich dem«Journée de l’énergie» die 150. Energiestadt, sowie die 10. Energiestadt GOLD offiziell zertifiziert.

Themenfelder

Die sechs Energiestadt-Themenfelder

Mobilität

Umweltfreundliche Mobilität: Die Gemeinde Erstfeld ist gut unterwegs mit den Fyler-Vélos

Salon de la Mobilité

Gemeindevertreter konnten sich am Salon de la Mobilité über zukunftsträchtige Verkehrsmodelle informieren lassen

Weitere Informationen

Sind Sie interessiert? Weitere Informationen zu Energiestadt finden Sie unter www.energiestadt.ch oder bekommen Sie direkt bei Programmleiter Kurt Egger, Nova Energie GmbH, Rüedimoosstr. 4, 8356 Ettenhausen, Tel. 052 368 08 08, kurt.egger@dont-want-spamnovaenergie.ch

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