Mittwoch 7. Januar 2009
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29.10.08

Übersichtspläne für Gas- und Wasserversorgungen: Dokumentation der Werkleitungen

Seit es Versorgungsleitungen gibt, wird deren Lage im «Werkleitungsplan» festgehalten. Er enthält wichtige Informationen für Planung, Bau, Betrieb und Unterhalt. In diesem Plan ist die lagerichtige Darstellung der Werkleitungen von entscheidender Bedeutung. Zusätzlich besteht das Bedürfnis nach einem «Übersichtsplan», der auf generalisierte Art und Weise den Überblick über die hydraulischen Zusammenhänge des Versorgungsnetzes aufzeigt. Zwangsläufig mussten so bis anhin zwei separate Planwelten manuell nachgeführt werden - Werkplan sowie Übersichtsplan.

Detailplan 1:500

von Charles Hegglin*

Heute werden räumliche Werkleitungsdaten in einem Netz-Informations-System (NIS) erfasst und verwaltet. Dieses bietet die Definition der Netztopologie sowie vielfältige Möglichkeiten der Analyse und Präsentation von Leitungen und Anlagen. So ist das NIS ein rationelles Hilfsmittel.

Im NIS werden Werkleitungen punktgenau erfasst. Eine sinnvolle Darstellung ist nur möglich, wenn sich Striche, Beschriftungen und Symbole nicht gegenseitig überdecken. Auf Werkplänen im Massstab 1:200 oder 1:500 ist die lagerichtige Darstellung gut lesbar. In einem grösseren Massstab dargestellte Übersichtspläne liefern hingegen kaum die gewünschten Informationen. Es muss deshalb eine Nachbearbeitung vorgenommen werden.

Übersichtspläne von Gas- und Wasserversorgungen - wer benötigt sie?

Ein NIS erlaubt lokale Betrachtungen eines Netzausschnittes. Betreiber von Gas- und Wasserversorgungen müssen aber häufig Beurteilungen vornehmen, die ein grösseres Gebiet umfassen. Die Zoom-Funktionen des NIS-Programmes bieten entsprechende Möglichkeiten, jedoch immer beschränkt auf die Grösse des Bildschirmes. Um die gesamte Versorgung auf einen Blick betrachten zu können, ist es zweckmässig, die Übersicht grossformatig auszudrucken.

Der Übersichtsplan bietet Informationen für eine reiche Auswahl von Anwendungen:

  • Der Betriebsleiter erkennt, in welchen Strassen welche Leitungen verlegt sind
  • Der Brunnenmeister oder Rohrnetzchef entscheidet, wo er infolge Betriebsunterbrüche oder sonstiger Massnahmen welche Schieber schliessen muss und in welchem Ausmasse davon Hauszuleitungen und Kunden betroffen sind
  • Die Feuerwehr sieht, wo Hydranten stehen und an welchen Leitungen welche Kaliber angeschlossen sind
  • Das beratende Ingenieurbüro beurteilt anhand der vorhandenen Versorgungsleitungen die Leistungsfähigkeit des Netzes
  • Der Trinkwasserinspektor erkennt kritische Leitungsabschnitte, die besondere Aufmerksamkeit verlangen

Daneben finden viele weitere Personen von kantonalen Instanzen, von der Gebäudeversicherung, aus der Politik und Fachgremien im Übersichtsplan die Informationen, die sie benötigen.

Alle diese Personen haben unterschiedliche Bedürfnisse an Inhalt und Gestaltung eines Übersichtsplanes. Sie sind weniger an der absoluten Lagegenauigkeit, sondern viel mehr an der konzeptionellen Anordnung und den schematischen Zusammenhängen interessiert.

Inhalt der Übersichtspläne - was gehört dazu?

Es ist empfehlenswert, eine möglichst einheitliche Darstellungsart zu definieren. Generell soll der Übersichtsplan informieren über:

  • Leitungen mit möglichst lagerichtigem Verlauf, mit eindeutigen Nennweitenund Materialbezeichnungen sowie der örtlichen Lage von entsprechenden Reduktionen
  • Transport- und Verteilleitungen mit Detailangaben und durchmesserabhängiger Liniendicke, bei Parallelleitungen insbesondere Erkennbarkeit der Einbindungen
  • Hauszuleitungen, üblicherweise ohne Details
  • Zugehörigkeit zur entsprechenden Versorgungs- resp. Druckzone in unterschiedlichen Farben
  • Armaturen wie Schieber, Entlüftungen, Siphon, Leerläufe, sonstige Spezialanschlüsse usw., schematisch verzeichnet für eine eindeutige Zuordnung zur jeweiligen Leitung
  • Hydranten mit Nummer, eventuell nach Typ unterschieden
  • Anlagen wie Reservoire, Pumpwerke, Druckreduzierungen usw. mit den massgebenden technischen Daten

Der Übersichtsplan stellt umfassende Informationen über die Versorgung dar. Entsprechend wichtig ist die Erarbeitung dieses Planwerkes. Dazu sind ausreichende Kenntnisse über den Versorgungsbetrieb notwendig. Insbesondere muss bei diesen Informationen darauf geachtet werden, dass sich die Angaben nicht gegenseitig überdecken.

Detail- und Übersichtsplan - Darstellung auf Knopfdruck?

Grundsätzlich werden alle zur Plandarstellung erforderlichen Daten im NIS verwaltet. Eine separate Erfassung für den Übersichtsplan ist aus Gründen der Datenredundanz möglichst zu vermeiden. Für den Übersichtsplan ist aber ein separat definiertes Darstellungsmodell unerlässlich. Dies betrifft nicht nur die Werkleitungen, sondern auch die als Referenz verwendeten Daten der amtlichen Vermessung. Auch hier ist der Informationsgehalt dem gewünschten Endprodukt anzupassen – in der Praxis heisst das: Strichstärken und Farbintensitäten sind zu reduzieren, Beschriftungen zu vergrössern und neu zu positionieren.

Ausgehend von der amtlichen Vermessung wird im Übersichtsplan oft der Lagegenauigkeit zu hohe Bedeutung eingeräumt. Fälschlicherweise wird angenommen, mit den im NIS erfassten Daten sei bereits ein guter Übersichtsplan generierbar. Ein brauchbarer Übersichtsplan kann aber ohne Generalisierung nicht auf Knopfdruck erstellt werden.

Ein guter Übersichtsplan - für den Praktiker unerlässlich!

Unleserliche oder unvollständige Übersichtspläne begünstigen Fehleinschätzungen und können entsprechend finanzielle Schäden nach sich ziehen. Auch die Meinung, langjährige Kenntnisse der verantwortlichen Leute machten einen Übersichtsplan überflüssig, ist sehr gefährlich, weil damit grosse Abhängigkeiten entstehen. Die K. Lienhard AG kann Versorgungen in allen Belangen der Planaufbereitung und -erstellung unterstützen. Als Dienstleister für Versorgungen im Ingenieurbereich und der Netzuntersuchung kennt die K. Lienhard AG auf der einen Seite die Anforderungen an einen Übersichtsplan für den praktischen Einsatz. Auf der anderen Seite sind uns die Anforderungen an die Verarbeitung im Netz-Informations-System bekannt. Unsere langjährige Erfahrung in der elektronischen Verarbeitung von Werkleitungsdaten gibt uns das nötige Know-how. Beides ist nötig, um einen Übersichtsplan fachmännisch zu erstellen.

Allen technischen Fortschritten zum Trotz braucht es für die Erstellung eines guten Übersichtsplanes zusätzliche Aufarbeitung. Für den Praktiker ist dieser Plan nach wie vor unerlässlich. Ein Grossteil der plangestützten Arbeiten basiert darauf, deshalb ist der Aufwand für dessen Erstellung also mehr als gerechtfertigt.

* Charles Hegglin, dipl. Bau Ing. HTL, Fachbereichsleiter Berechnung beim Ingenieurbüro K. Lienhard AG in Buchs-Aarau.

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