Lücken im Risikomanagement bergen immense Gefahren
Geschätzte Leserinnen und Leser
Seit dem 1. Januar 2008 müssen alle mittleren und grösseren Schweizer Unternehmen im Anhang ihres Geschäftsberichts «Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung» (OR 663b Ziffer 12) machen. Durch diese gesetzliche Neuerung erhält das Risikomanagement in Unternehmen zusätzliches Gewicht. Wie schwierig die Beurteilung der Risiken sein kann, zeigen die jüngsten Entwicklungen auf den Finanzmärkten. Wer hätte vor anderthalb Jahren gedacht, dass eine derart stolze und renommierte Schweizer Bank wie die UBS einmal zum Bittsteller beim Staat mutieren würde?
Nach dem Vertrauensverlust beim Finanzplatz kommt nun ein weiteres schweizerisches Nationalheiligtum in Bedrängnis: der Zivilschutzraum. Die parlamentarische Initiative von Nationalrat Pierre Kohler verlangt die Aufhebung der privaten Schutzraum-Baupflicht. Das Konzept sei überholt und gewährleiste keinen effektiven Schutz vor den heutigen Bedrohungen, heisst es im Initiativtext. Doch bilden die Schutzbauten nicht das Rückgrad des schweizerischen Schutzkonzeptes und sollten deshalb in der Sicherheitsarchitektur der nächsten 20 Jahre berücksichtigt werden? Wie involvierte Politiker darüber denken, lesen Sie in den fünf Statements ab Seite 10.
Das Schwerpunktthema dieser SKR-Ausgabe ist dem Risikomanagement von Naturgefahren gewidmet. Die Bedrohungen und Gefahren, auf die wir uns einstellen müssen, haben sich in letzter Zeit stark gewandelt: Natur- und zivilisationsbedingte Katastrophen nehmen zu. Der Klimawandel ist Ursache für Überschwemmungen, Hochwasser und Trockenheiten und ist inzwischen auf der höchsten Ebene der sicherheitspolitischen Diskussion angelangt.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig ein systematisches und kontinuierliches Risikomanagement ist. Es verhindert Schaden und hilft, das Vertrauen der Konsumenten und Bürger zu festigen respektive wiederherzustellen.
Eine nutzbringende Lektüre wünscht Ihnen
Liévin M’Bu
Chefredaktor
P.S.: Die Diskussion um die Aufhebung der Schutzraum-Baupflicht geht im Parlament und auch auf unserem Weblog weiter. Wir freuen uns, wenn auch Sie Ihre Meinung kundtun.

